Die forensische Wissenschaft

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Die forensische Wissenschaft

Definition

Die Deklaration von Sydney aus dem Jahr 2021 (siehe hier) bemüht sich um eine einheitliche Begriffsbildung der forensischen Wissenschaft. Sie definiert diese als „die durch die wissenschaftliche Vorgehensweise und Forschung unterstützte Untersuchung von Spuren, welche durch bestimmte, vergangene, singuläre oder Mehrfachreignisse erzeugt werden. Diese Spuren sind Überreste und Zeugen vergangener Aktivitäten (wie die Anwesenheit oder das Handeln eines Individuums) und bieten einen Schlüssel zu deren Erklärung. Der Ansatz bedient sich wissenschaftlicher Methoden zur Detektion, Erkennung, Sammlung, Analyse und Interpretation, um Ereignisse von öffentlichem Interesse (wie (serielle) Verbrechen, Rechtssachen, Unfälle usw.) von ihrem Ursprung ausgehend zu rekonstruieren und zu verstehen“.

Die forensische Wissenschaft beruht auf mehreren Prinzipien:

  1. Aktivität und Präsenz erzeugen Spuren, die grundlegende Informationsträger sind.

  2. Ermittlungen bedeuten einen wissenschaftlichen und diagnostischen Aufwand, der wissenschaftliches Fachwissen erfordert.

  3. Die forensische Wissenschaft basiert auf Fallstudien und stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Ermittlungsmethoden und logisches Denken.

  4. Die forensischen Wissenschaft wertet die Ergebnisse in ihrem Kontext aufgrund von zeitlicher Asymmetrie aus.

  5. Die forensische Wissenschaft ist kontinuierlich mit Ungewissheiten konfrontiert.

  6. Die forensische Wissenschaft verfolgt multidimensionale Ziele und leistet vielseitige Beiträge.

  7. Die Erkenntnisse aus der forensischen Wissenschaft erhalten in einem bestimmten Kontext eine Bedeutung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die forensische Wissenschaft sich als die Wissenschaft der Spur versteht.

Die forensische Wissenschaft

Erklärungen

Die forensische Wissenschaft befasst sich mit Spuren jeglicher Art und Größe. Dazu gehören die wenigen Nanogramm DNA, die es für die Erstellung eines genetischen Profils benötigt, aber auch die Akropolis von Athen, eine der bekanntesten Spuren, die uns die antike griechische Zivilisation hinterließ.

Doch welche Spuren, die für ein Unternehmen von Interesse sind, würden es rechtfertigen diese neue Wissenschaft zu studieren?

Dem Locard’schen Prinzip zufolge hinterlässt jede böswillige Handlung eine Spur. Man findet solche Spuren dementsprechend in Räumlichkeiten, Buchhaltungsbelegen sowie in Computer- und sozialen Netzwerken.

In der Archäologie, Epidemiologie und im Journalismus wird nach Spuren gesucht, genauso auch bei einer Wettbewerbsbeobachtung, die dazu dient, die Spuren der Aktivitäten seiner Konkurrenten zu verfolgen, zusammenzutragen und zu analysieren.

Wer sich in der Forensik fortbildet, lernt Spuren zu sammeln, zu analysieren und zu sichern, sie auszuwerten und die Ergebnisse zu interpretieren. In einer sich schnell verändernden Welt benötigen private oder öffentliche Unternehmen zunehmend mehr Forensiker, um ihr Umfeld verstehen und sich daran anpassen zu können.

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Die forensische Wissenschaft

Anwendungsgebiete

Finanzprüfung

Wenn ein Unternehmen eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, untersuchen die Wirtschaftsprüfer die ihnen anvertrauten Buchungsbelege auf Anomalien und Unregelmäßigkeiten, d.h. auf Spuren von Veruntreuung oder Nichteinhaltung der geltenden Vorschriften. Dabei führen sie Ermittlungshandlungen durch.

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Risikomanagement

Wenn ein Unternehmen einen Tatverdacht hegt oder Kenntnis von Tatsachen hat, die ihm schaden, muss es nach deren Spuren suchen, sie analysieren und mit den ihn bereits bekannten Fakten vergleichen, um den Urheber identifizieren zu können. Dabei wendet das Unternehmen den forensischen Ansatz auf seine internen Ermittlungen an.

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Gerichtswesen

In einem Ermittlungsverfahren wird die forensische Vorgehensweise am anschaulichsten angewandt. An einem Tatort identifizieren und sammeln die Kriminaltechniker die Spuren, die ihnen relevant erscheinen und die anschließend im Labor analysiert und begutachtet werden. Die Ergebnisse werden in Form von Wahrscheinlichkeiten interpretiert und dienen als Entscheidungshilfe bei der Identifizierung des Täters.

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Rechtsberatung

Damit ein Rechtsanwalt, unabhängig von seinem Fachgebiet, seine Mandanten beraten und vertreten kann, muss er den Kontext des ihm anvertrauten Falles untersuchen. Indem er die Spuren der Vergangenheit, die zu einem bestimmten Ereignis führten, sammelt, analysiert und interpretiert, macht sich der Anwalt täglich den forensischen Ansatz zu eigen.

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